Hypnose zu Heilzwecken hat überhaupt nichts zu tun mit den Varieté- oder Showvorführungen, wie man sie vom Boulevardfernsehen oder von schummrigen Bühnen kennt. Dabei werden „Freiwillige“ von Gauklern und Zauberkünstlern zu willenlosen Opfern schlechter Scherze gemacht. Sie werden dem zahlenden Publikum schamlos vorgeführt, um sich auf deren Kosten lustig zu machen. Hypnose zu Heilzwecken ist etwas völlig Anderes. Sie ist eines der ältesten Heilverfahren, das die Menschheit kennt. Medizinische Heilhypnose ist eine seit langem anerkannte Therapieform der Naturheilverfahren und wird von ausgebildeten Therapeuten durchgeführt. Sie dient einzig und alleine dem Zweck, körperliches wie seelisches Leid zu lindern und Selbstheilungskräfte zu mobilisieren. Sie findet statt in hellen und freundlichen Räumen und macht die Menschen nicht willenlos.

Die medizinische Heilhypnose braucht keinerlei Hokuspokus oder psychologische Manipulation. Im Gegenteil, die Klienten selbst bestimmen, welches Anliegen im Mittelpunkt steht. Gemeinsam wird besprochen, wofür eine Lösung gefunden werden soll. In der Heilhypnose wird dann der Weg zum Unterbewusstsein beschritten. Die Kraft des Unterbewusstseins wird in den Dienst der Klienten gestellt - und nicht umgekehrt. Denn Medizinische Heilhypnose meint einen veränderten Bewusstseinszustand, in dem eine viel tiefere Entspannung empfunden wird, als wir sie sonst kennen. Atmung, Pulsschlag und Stoffwechsel verlangsamen sich, es kommt zu einer Erholung des gesamten Nervensystems.

Dieser in Hypnose deutlich vertiefte Entspannungszustand hat selbst bereits einen wohltuenden, therapeutischen Effekt. Diese vertiefte Trance bietet die Möglichkeit, Schlüsselszenen aus der Vergangenheit aufzuarbeiten und so seit langem als belastend erlebte Erfahrungen endlich aufzudecken und zu überwinden. Die medizinische Heilhypnose wirkt durch vertiefte Entspannung auf ausgewählte Symptome ein. Dadurch werden tiefere Einsichten in die eigenen inneren Vorgänge erst möglich. Auf diese Weise können unbewusste Prozesse bewusst erlebt und Erfahrungen und Symptome neu bewertet werden. In Verbindung mit psychotherapeutischen Verfahren eignet sich die Medizinische Heilhypnose besonders zur Behandlung psychischer Beschwerden. Auch als begleitende Behandlung bei körperlichen Beschwerden vielfältiger Art ist die medizinische Heilhypnose hilfreich.

Jeder Mensch ist für die medizinische Heilhypnose geeignet. So wie die Menschen aber verschieden sind, so sprechen sie unterschiedlich gut auf Hypnose an. Die einen tun sich leichter, bei den anderen ist es vielleicht etwas mühsamer. Grundsätzlich ist aber jeder Mensch in der Lage, sich mit Hilfe der medizinischen Heilhypnose der Kraft seines Unterbewusstseins zu bedienen. Hypnose kann auf individuelle Unterschiede und Voraussetzungen eingehen. Eine fachlich richtig durchgeführte medizinische Heilhypnose ist gefahrlos, Komplikationen treten nur sehr selten auf. Wird beispielsweise eine Hypnose - aus welchen Gründen auch immer - abrupt abgebrochen, kann es vorübergehend etwa zu Kopfschmerzen, Schwindel oder Benommenheit kommen. Gänzlich auf eine Hypnosetherapie verzichten sollten aber Menschen, die beispielsweise unter Psychosen, Persönlichkeitsstörungen oder Epilepsie leiden.

Eine Behandlung mit medizinischer Heilhypnose wird in der Regel in Einzelsitzungen durchgeführt. Es sollte immer ein vertrauensbildendes und beratendes Gespräch vorausgehen, in dem ausführlich über die Hypnose informiert wird und so vielleicht vorhandene, falsche Vorstellungen über Hypnose abgebaut werden. Während der Hypnosetherapie liegt man bequem auf einem Sofa. Die Aufmerksamkeit wird ganz sanft auf die Stimme des Therapeuten und seine Worte gelenkt. Zur vertieften Entspannung suggeriert er tiefe Ruhe und Körperempfindungen wie angenehme Schwere und wohlige Wärme. Klienten gleiten so langsam in einen Trance- und Entspannungszustand. Darin sind sie empfänglicher für ihre eigenen tiefen Empfindungen. Konzentration und Erinnerungsvermögen werden deutlich gesteigert. Der Therapeut überträgt sogenannte verbale Suggestionen, die bei der Gesundung und Bewältigung von Belastungen unterstützen. In der Hypnose ist es möglich, vollkommen normal zu sprechen. So können Fragen beantwort werden, um Ursachen für eine Krankheit oder eine psychische Belastung aufzudecken. In der Behandlung vermittelt der Therapeut dann geeignete Suggestionen oder Bilder, die unterstützen, Einstellungen und Verhaltensweisen positiv zu verändern. Der Hypnosezustand wird wieder beendet, indem die Aufmerksamkeit des Klienten vom Therapeuten gezielt, aber sanft und schonend von innen nach außen gelenkt wird.

An jede Hypnosesitzung schließt sich eine Besprechung dessen an, was in der Hypnose erlebt wurde. Eine Sitzung dauert in der Regel eine bis eineinhalb Stunden. Wie viele Hypnosesitzungen nötig sind, ist individuell verschieden. Es können wöchentliche Sitzungen abgehalten werden, bei Bedarf aber auch mehrere täglich.


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Jürgen R. Vetter, Diplom-Soziologe, Heilpraktiker für Psychotherapie
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