Psychotherapie setzt im Idealfall etwas in Gang, löst Veränderungen aus, fördert eine positive Weiterentwicklung der Persönlichkeit. Dieses findet nicht nur während der therapeutischen Gespräche statt, sondern wirkt in der Zeit unmittelbar danach und auch noch darüber hinaus weiter. Wirklichkeitsfremd wäre daher die Annahme, dass Veränderung und Persönlichkeitsentwicklung bei Klienten deren Umfeld unberührt ließe, ohne Resonanz auf ihre Umwelt bliebe.

Die Erfahrung zeigt vielmehr, dass es Irritationen vermeiden und sogar hilfreich sein kann, insbesondere den (Ehe)Partner mit einzubeziehen. Angemessene Information, was der andere Partner in seiner Therapie erlebt, kann hier sogar dazu beitragen, dem Klienten eine mehr als üblich verständnisvolle und besonders stützende Atmosphäre im engsten Umfeld zu gewähren, die keineswegs immer als selbstverständlich gegeben vorausgesetzt werden kann.

Nehmen Klienten zur selben Zeit an mehr als einer Psychotherapie teil, sind unerwünschte Wechselwirkungen nicht ausgeschlossen. Paralleltherapie sollte daher die strenge, wohl begründete Ausnahme bleiben - etwa bei Einzeltherapie durch Teilnahme auch an einer Gruppentherapie - und kann eine Abstimmung der Therapeuten erfordern.

Eine psychotherapeutische Beziehung kann unter Umständen eine sehr tiefe und ganz besonders vertrauensvolle Beziehung sein, sie wird aber immer eine bezahlte Arbeitsbeziehung bleiben. Keinesfalls darf es dazu kommen, dass sich daraus eine private Beziehung entwickelt, möglicherweise sogar eine intime Verstrickung mit dem Psychotherapeuten ergibt. Dieses ist nach Paragraph 174c Strafgesetzbuch strafbar, in einem solchen Fall muss die therapeutische Beziehung beendet werden!

Insbesondere dann, wenn es sich um eine aufdeckende Variante der Psychotherapie handelt, ist in deren Verlauf die zeitweise Verstärkung oder Verschlechterung derjenigen Symptome, die den Klienten zur Aufnahme der Therapie bewogen haben, nichts Ungewöhnliches. Im Idealfall ist dies Ausdruck einer intensiven Auseinandersetzung mit den Ursachen der Problematik und insofern ein "gutes Zeichen" - wenn sich daraus ein wichtiger Ansatzpunkt für deren Behebung entwickeln lässt.

Gelingt es in der therapeutischen Arbeit, die Belastungen nach und nach zu verringern und verspüren die Klienten vielleicht erstmals seit langer Zeit eine deutliche Erleichterung, kann es vorkommen, dass dieser Aufbruch zu Selbstüberschätzung (ver)führt. Die nächste ernsthafte Belastungsprobe wird dann möglicherweise als besonders schwerwiegendes persönliches Scheitern und "Rückfall" in frühere, schlechtere Zeiten empfunden. Dies kann erhebliche Selbstzweifel auslösen und am gesamten Therapieverlauf zweifeln lassen. Aufgabe der Therapie ist es daher, im Sinne einer Rückfallprophylaxe auf die immer bestehende Möglichkeit der Wiederkehr belastender Situationen und deren Folgen vorzubereiten. Therapie kann diese niemals für alle Zukunft verhindern, sie kann aber Klienten dazu befähigen, diese besser, aktiver und selbstbewusster zu bewältigen als vor der Therapie.

Haben Klienten das Gefühl, sie würden keinen Fortschritt in Richtung der ursprünglich vereinbarten Therapieziele erkennen, sie würden stattdessen auf der Stelle treten, so ist es dringend ratsam, diese Problematik dem Therapeuten zu benennen und mit ihm offen zu besprechen. Ist der Therapeut nicht zu einer zufriedenstellenden Reaktion in der Lage oder bereit, sollten Klienten bei anderen fachlich geeigneten Stellen, etwa in psychosozialen Beratungseinrichtungen, Rat für ihr weiteres Vorgehen einholen. Bleibt auch dann eine positive Entwicklung aus, haben Klienten quasi als conditio sine qua non nur noch die Möglichkeit, einen Wechsel des Therapeuten zu vollziehen. Entscheidend dabei ist nicht so sehr der tatsächliche Grund für den therapeutischen Stillstand. Viel mehr bedeutsam ist es, Klienten das Verharren in einer Sackgasse zu ersparen, das ihre Ressourcen - Zeit, Finanzen, Energie - verbraucht, ohne ihnen wirklich zu helfen.

Haben Sie vielleicht noch Fragen hierzu? Wir beantworten Sie Ihnen gerne!


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